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Das unsichtbare Sichtbare Künstler Text

Gorica Jeremic

Lebenslauf

Gorica Jeremić wurde 1976 in Wien geboren und arbeitete bis 2015 bei verschiedenen Unternehmen im Management. Die völlig unerwartete Diagnose Multiple Sklerose erforderte ein grundlegendes Überdenken ihres weiteren Lebensweges. Nach langer Rehabilitation glückt die erfolgreiche Rückkehr ins Leben, die Malerei wird  ab 2018 zum zentralen Element, zum sinnstiftenden Elixier. Ihr Erfolg manifestiert sich trotz kurzer Schaffensperiode weltweit (Europa, USA, Indien). Zahlreiche Auszeichungen (Young Artist Winner 2019, 6th International Multidisciplinary Scientific Conferences on Social Sciences and Arts SGEM 2019, Organization: SGEM Conferences Gugliemeo II, Art Now Italy 2020), erste Ausstellungen in Wien bzw. eine Online-Gruppenausstellung in Italien.

Gorica Jeremić | Die Natur als integraler Bestandteil des Ichs

Farbharmonie und spontaner Ausdruck von Emotionen (bewusst-unbewusst) durch nicht gegenständliche Formen sind Leitmotive einer ganzen Reihe von Gemälden der in Wien lebenden und arbeitenden Künstlerin Gorica Jeremić. Die Inspiration, die sie in der Natur findet und als Grundbestandteil ihres Wesens empfindet, überträgt sie auf ihre komplexen, kompositorisch-harmonischen und malerisch-reizvollen Gemälde. Diese gestisch-assoziative Abstraktion ist auf einer ungewöhnlichen Synthese von nicht-malerischen Konzepten, d.h. auf atypischen Materialien und Pigmenten, basiert, sodass wir sie auch als informel betrachten können.

Gelassenheit, Neugierde, Kraft der Pinselzüge (die nicht zufällig sind), aber auch Licht und besondere Momente, sind noch einige der Merkmale von Goricas Malerei. Es gibt fast keine koloristischen Extreme in ihrer Arbeit. Es handelt sich meistens um beruhigende bernsteingelbe, goldene und blaue Farbvarianten, die geschickt mit Themen auf Gemälden verschmolzen sind. Sie erinnern uns an unerreichbare Himmels- und Meeresräume, unerforschte Orte der Erde, warme Sonnenstrahlen. Im Wesentlichen handelt es sich hier um das Gefühl der malerischen Freiheit sowie um spezifische ästhetische Antwort auf Stereotypen. Auf diese Weise folgen wir den Spuren der Zeit in raffinierten Kompositionen von außergewöhnlichen und interessanten künstlerischen Lösungen. In ihnen nimmt reine Emotion ihre Form an und das in Fragmenten erscheinende Natürliche und Materielle wird in abstrakte Formen verwandelt … und umgekehrt.

Anhand der Namen der Werke erraten wir, welche Landschaften den Künstler dazu ermutigten, die Veränderlichkeit der Natur zu beobachten, indem sie die primäre Wirkung der Farbe betont, d.h. das Gefühl, das jede Farbe hervorruft. Dieser Energiefluss, der „Klang“ von Farbe und Form, ist greifbar und lebendig, aufgrund der Materie, mit der er realisiert wird, aber auch der persönlichen Wahrnehmung des Malers. Die Abstraktion ermöglicht Verwendung von verschiedenen Ausdruckselementen sowie einen Durchbruch hinsichtlich der neuen Materialien. Die Auffassung der Malerei in Gorica Jeremićs Gemälden ist aufgrund deren Subtilität für den Betrachter äußerst einfach. Obwohl es die intime Welt der Künstlerin auf der Suche nach Wahrheit ist, teilt sie jedoch einige „gestohlene Momente“ selbstlos mit dem Publikum. Ihre großformatigen Bilder zeigen ihre Fähigkeit, Farbe und Struktur darzustellen. Diese unerwarteten visualisierten Formen rufen in jedem von uns ein kräftiges, allumfassendes Gefühl des Lebens und der Welt.

Maja Zivanovic, Journalistin und Kunstkritikerin | Belgrad, Oktober 2020