Tilde Anna Jäger, 1948 in Amstetten (NÖ) geboren, zeigte bereits in jungen Jahren ein feines Gespür für künstlerische Ausdrucksformen. Mit 14 Jahren gewann sie den 1. Preis für Malerei eines europäischen Wettbewerb aller höheren Schulen. Bereits vor ihrem 20. Lebensjahr widmete sie sich der Musik und einer intensiven Klavierausbildung, die ihren Sinn für Rhythmus und Struktur prägte. Nach der Matura führte ihr Weg sie an die Universität Wien, wo sie 1972 als Akademische Übersetzerin diplomierte. Doch das geschriebene Wort war nur der Anfang – schon bald entdeckte sie die Malerei als ihr eigentliches Ausdrucksmittel.
In den 1980er Jahren begann ihr künstlerischer Durchbruch, als sie nach einem Aufenthalt in Brüssel erste Arbeiten in Bildhauerei, Zeichnung und Malerei schuf. Seit 1997 genießt sie öffentliche Anerkennung als Malerin. Ihre Werke, die von einer assoziativen, semiabstrakten Bildsprache geprägt sind, spiegeln ihre Auseinandersetzung mit dem Informel wider und wurden von bedeutenden Museumsdirektoren wie Dr. Otto Breicha, Dr. Wilfried Seipel und Dr. Berthold Ecker gefördert. Jägers 40-jährige künstlerische Laufbahn zeigt eine intensive Beschäftigung mit den Tiefen der menschlichen Psyche – sie malt, was sich jenseits des Sichtbaren befindet, auf der Leinwand musizierend und stets im kreativen Fluss.
Ihr künstlerisches Schaffen wurde in zahlreichen Einzelausstellungen gewürdigt, darunter in der Studiogalerie Wien (1990), der Blau-Gelben Viertelgalerie Weistrach (1997), der Galerie Alpha Wien (1998) sowie im Kurhaus St. Stephan Wien (2005). Besondere Beachtung fand auch ihre Ausstellung im Schloss Gabelhofen (2009) und im DOC St. Pölten (2009). Ein weiterer Höhepunkt war die Buchpräsentation „Dann muss es Liebe sein“ im MUSA (2013). Darüber hinaus sind ihre Werke in öffentlichen Räumen präsent, wie beispielsweise in der dauerhaften Wandgestaltung des Salzburger Messezentrums. Der Ankauf von zehn ihrer Arbeiten durch die Salzburgarena im Jahr 2004 verdeutlicht die nachhaltige Resonanz, die Jägers Werk in der Kunstwelt hervorruft.
„Kunst ist meine Überlebensstrategie“, wie es Maria Lassnig einst formulierte, spiegelt sich auch in jedem Pinselstrich Jägers wider. Ihre Kunst ist ein Tanz zwischen Form und Freiheit, ein künstlerischer Ausdruck, der sich stets am ausgefransten Rand des Menschlichen bewegt.
Tilde Anna Jäger lebt und arbeitet in Wien und im Mostviertel.